der Süden

TAGEBUCH
der Süden Marokkos

rot: Unsere Strecke
Mo 17.02.2020 

Trotz Sonnenschein und herrlichem Wellengang verlassen wir heute die Atlantikküste. Wir packen in aller Ruhe unsere Sachen und machen uns dann auf den Weg in Richtung Guelmim. Die Straße ist gut und führt uns nach wenigen Kilometern bis auf 600m üM. Kräftige Anstiege wechseln sich mit rasanten Abfahrten ab. Ziegen- und Schafherden suchen in der steppenartigen Landschaft ihr Futter. In Guelmim waren wir bereits im letzten Jahr. Der Weg zum Marjane-Einkaufscenter am Ende der Stadt ist uns somit noch gut in Erinnerung. Wir besorgen die fehlenden Lebensmittel und wählen danach - anders als im letzten Jahr - zur Weiterfahrt die nördlicher verlaufende Straße RN1 über Tagant und Timoulay. Ab Taghjijt führt dann die RR102 bis zu unserem Tagesziel Icht. Dieses Jahr stellen wir uns auf den palmenbewachsenen Camp Amerdoul am Ende der Stadt. Hier gefällt es uns!
Di 18.02.2020
Rudi teilt uns mit, dass er bei uns vorbeikommen wird. Also bleiben wir kurz entschlossen für einen weiteren Tag. Durchhängen, in der Sonne oder dem Schatten sitzen, spazierengehen, sich unterhalten … so vergeht ein schöner Ruhetag auf dem Camping Amerdoul recht schnell!
Mi 19.02.2020
Weiterfahrt ist angesagt; wir bezahlen die Campinggebühr und machen uns auf den Weg. Die gut ausgebaute Straße führt uns durch die meist topfebenen riesigen Steinwüsten des marokkanischen Südens, umrahmt von den Bergen des Antiatlas zur Rechten und den Gipfeln des Hohen Atlas zur Linken. Abwechslung in den gelb bis rötlichen, oft auch braunen Erdformationen bieten die riesigen Folienfelder, auf denen mittels Grundwasser Gemüse angebaut wird. Tata liegt an einer Flußoase und bietet sich weit hinziehende Palmenhaine – und ganz nebenbei auch die Möglichkeit zum Einkaufen und Tanken! Seit wir in die Leitung zwischen den beiden Tanks einen Absperrhahn einbauten, ist das Problem des automatischen Umfüllens gelöst. So können wir den zweiten Tank für die Fahrt in die Wüstenregion bis zum oberen Rand füllen, ohne Gefahr zu laufen, dass Tank 1 überläuft!
Als Tagesziel haben wir uns Tissint ausgesucht. Dort, bei den Cascaden am Ortseingang wollen wir uns mit Rudi wieder treffen. Wir besichtigen die etwa 1,50m hohen Wasserfälle und sind erstaunt, woher das Wasser inmitten der Wüstenlandschaft kommt. Nach Hinweisen gibt es einen weiteren Platz außerhalb der Stadt, in der das Wasser des Qued Tissint in einer Cascade abfällt. In diesem Abschnitt wird der Qued Tissint wegen der großflächigen Salzablagerungen im breiten, meist trockenen Flußbett auch Qued Maleh (Maleh = Salz) genannt. Hier verbringen wir eine ungestörte, sehr ruhige Nacht unter grandiosem Sternenhimmel, da hier draußen keine Lichter stören.
Do 20.02.2020
Auf kilometerlang geradeaus durch die Wüsten führender guter Teerstraße fahren wir in nordöstlichen Richtung vorbei an Foum Zguid nach Zagora. Trotz der großen Distanzen sehen wir keine Siedlungen entlang der Straße. Flachgeschwemmte Steinflächen, teilweise mit niederen Bäumen oder Büschen bewachsen wechseln sich mit großflächigen Folienfeldern ab. Die Querungen der trockenen Queds sind gut ausgebaut und behindern die Fahrt nicht. In Zagora versorgen wir uns mit frischem Obst (1kg Erdbeeren um etwa € 1,50) und steuern unseren Nachtplatz außerhalb der Stadt an. Hier oben am Berg haben wir eine herrliche Aussicht über das breite Tal mit den Palmenhainen entlang des Flusses Qued Drâa.
Fr 21.02.2020
Wir kurven die Steinpiste von unserem ruhigen Stellplatz hinunter zur Straße. Die Polizisten, die dort gerade Geschwindigkeitskontrollen mit der Laser-Pistole durchführen, winken uns freundlich zu – und schon geht es weiter in Richtung Tazzarine. Die weiten, ebenen Steinfelder in Verbindung mit den kerzengeraden Straßen scheinen recht monoton, wären da nicht die Berge mit ihren bunten Farben und bizarren Formen rechts und links. Nach etlichen km steigt die Straße in weiten Serpentinen an und verfehlt die 1000m-Höhenmarke nur knapp. In Tazzarine nutzen wir die Gelegenheit zum Volltanken, kaufen Brot und legen danach die restliche Strecke nach Alnif schnell zurück. Kurz nach dem Ort biegen wir auf eine sandige Steinpiste ab und finden hinter einem kleinen Hügel den im Reisebuch beschriebenen freien Stellplatz. Außer einigen gelegentlich vorbeikommenden Mopedfahrern, die uns freundlich zuwinken, nimmt niemand von uns Kenntnis.
Sa 22.02.2020
Was entlang der Atlantikküste und im Norden Marokkos fast nicht mehr vorstellbar ist: hier im Süden können wir, wenn wir gerade nicht entsorgen oder Frischwasser tanken müssen, abseits der Straße frei stehen. Und das haben wir nun schon ohne Probleme mehrfach genutzt – und genossen!
Die Weiterfahrt nach Rissani gestaltet sich wie in den Vortagen auch wenig abwechslungsreich, bringt uns aber unserem Ziel näher.
In Rissani durchfahren wir das uns noch bekannte Stadt-Eingangstor, kreuzen ohne Halt die Stadt und erreichen über die im Zick-zack um die Palmengärten geführten Ausgangsstraße die gigantisch anmutende, topfebene, baumlose Ebene Tafilalet. Rechts und links der geraden Straße sind am Horizont Bergketten zu erkennen und vor uns tauchen in rötlich-gelbem Licht leuchtend die Sanddünen der Erg Chebbi auf! Wir steuern auf unseren Stellplatz vom letzten Jahr beim Hotel Mohayut zu und finden dort sogar einen schattigen Stellplatz unter Bäumen. Rudi ist schon da und begrüßt uns. Beim ersten Rundgang sind wir jedoch etwas enttäuscht: im letzten Jahr begann die Sanddüne gleich hinter der Mauer des Stellplatzes, jetzt, nur 1 Jahr später ist bereits alles zugebaut und hinter den Nachbarhotels entstanden Plastikzelt-Siedlungen. Diese Situation finden wir weniger schön und bestellen zum Trost für den Abend eine Tajine im Hotelrestaurant
So 23.02.2020
Abgesehen von dem Gegurre der Tauben in den Bäumen und dem Krähen des Gockels am Morgen verbringen wir wie meist eine sehr ruhige Nacht. Unser Brot zum Frühstück können wir an der Hotelrezeption abholen. Nach einer kleinen Reparatur des Schlosses an der Womo-Türe sowie dem Check von Kühlwasser und Öl machen wir uns zur Abfahrt bereit. Wir wollen etwas nördlicher noch eine Nacht in den Dünen verbringen.
Doch zunächst steuern wir das Touristendorf Merzouga an, drehen eine Besichtigungsrunde mit dem Auto – und werden gleich von einem Polizisten gestoppt, weil der Abwasserschieber nicht ganz geschlossen war und Wasser heraustropfte …
Über eine Piste erreichen wir wieder die Straße nach Norden und steuern sogleich den ausgesuchten Stellplatz in der Nähe des zentralen Dromedarplatzes an. Hier werden die Dromedare für die Touristenkaravanen versorgt, bis sie wieder eingesetzt werden. Unter einem großen Baum inmitten Palmen unweit dieses Platzes finden wir ausreichend Schatten und Schutz vor der heißen Mittagssonne und können so einen direkten und ungestörten Blick auf die Sanddünen genießen, die mit dem Lauf der Sonne ihre Farben von rotgold nach braungelb ändern. Gelegentlich fahren Sand-Quads in Gruppen mit riesigen Staubfahnen bei uns vorbei, auch Touristendromedare werden vorbeigeführt. Und Besuch bekommen wir natürlich auch: Rudi kommt zu Fuß von Mohayut und will sehen, wo wir heute stehen!
Mo 24.02.2020
Tanja und Jürgen berichten uns, dass sie in TanTan in der Westsahara in einen Sandsturm mit Sichtweiten unter 2m kamen. Nicht so bei uns! Strahlend blauer Himmel und in der Sonne fast zu heiß! Schon morgens ziehen Dromedar-Karavanen bei uns vorbei. So schön es auch ist, heute heißt es Abschied nehmen von der Wüste. Wir machen uns auf den Weg zurück nach Tanger. Mehr dazu im nächsten Teil unseres Berichtes.