Ronda

TAGEBUCH
ANDALUSIEN Teil 2
rot: Unsere Strecke
Mi 11.03.2020 

Nach 3 Nächten auf dem zwar zentrumsnahen, aber nicht sonderlich ansprechenden Stellplatz in Malaga wollen wir den Platz verlassen, bevor die vielen Auto-Pendler die Rangiermöglichkeiten und die Parkplatz-Ausfahrt heillos zuparken. Ohne Frühstück geht es deshalb 6km westwärts an den Strand. Hier finden wir eine großzügige Stellfläche und nehmen dort unser Frühstück ein. Danach geht es entlang der Küste auf der mautfreien, autobahnähnlichen Straße vorbei an Torremolinos, Mijas, Fuengirola und Marbella bis San Pedro de Alcantara. Eine Fahrt durch die Bettenburgen der Orte wäre zwar möglich gewesen, aber durch die vielen Ampeln, Toppes und Kreisverkehre weit stressiger geworden. Und das Meer hätten wir sicher auch nicht allzu oft gesehen. In San Pedro verlassen wir die 4spurige Straße und fahren die kurvenreiche Strecke (A-397) bergan. Fast unbemerkt klettern wir so bis auf 1.065m bei der Passhöhe puerto El Madroño. Ein Teil der folgenden Strecke ist baustellenbedingt nur einspurig zu befahren; dies beeinträchtigt jedoch die Großartigkeit dieser Landschaft nicht.
Im Rondo fahren wir gleich stadteinwärts, müssen aber leider gleich nach der spektakulären Brücke wegen einer Straßensperrung wenden und wieder zurück fahren. Innerorts ist kein Parkplatz für uns verfügbar! Also fahren wir den nahen Campingplatz El Sur an und erholen uns dort vom Besichtigungsstress der letzten Tage.
Natürlich auch, um unsere Berichte und Bilder zu aktualisieren … ;-)
Do 12.03.2020
Der Campingplatz El Sur ist sehr sauber, alle Einrichtungen sind bestens gepflegt! Hier könnte man gerne länger sein. Wir wollen aber morgen wieder weiter und machen uns deshalb schon am Vormittag auf, die Sehenswürdigkeiten der Stadt aufzusuchen. Der wohl spektakulärste Touristenanziehungspunkt ist natürlich die Brücke 'Puente Nuevo' über die tiefe Schlucht des Guadalevin, die die Stadt teilt. Entlang der steil abfallenden Felsen geht der Weg dann zu einer Aussichtsplattform, von der auch die umliegenden Berge schön zu sehen sind. Vorbei an der ältesten Stierkampfarena Spaniens queren wir die Plaza de España und lassen sowohl das rege Treiben auf den Einkaufsstraßen als auch die Stille in der Kirche auf uns wirken. Auf dem Rückweg zum Campingplatz kehren wir an der Plaza Ruedo Alameda ein und lassen uns die Tapas mit Wein aus Ronda schmecken. Während der heißen Mittagsstunden am Campingplatz lassen wir uns von den Gewohnheiten der Spanier leiten und machen Siesta!
Fr 13.03.2020
Unser erster Weg nach Verlassen des schönen Campingplatzes El Sur führt uns zum wenige km entfernten Lidl-Supermarkt. Hier füllen wir unsere Vorräte wieder auf und freuen uns besonders auf das dunkle Brot, das dort angeboten wird. Auf schönen Straßen mit mehreren flaggengeregelten Baustellen erreichen wir bald den Stausee. Auf enger und kurvenreicher Straße geht es weiter nach El Chorro. Hier wollen wir eine Bergwanderung hinauf zur spektakulären Brücke unternehmen. Da schlägt dann aber der Corona-Virus erstmals zu: die letzmögliche Wanderung haben wir verpasst und in den nächsten 2 Wochen sind alle weiteren Aktivitäten eingestellt. Bleibt uns nur, die spektakuläre Brücke zwischen den Felswänden von unten zu betrachten und unsere Fahrt fortzusetzen! Wir wählen die auf der Karte weiß eingezeichnete Nebenstraße über die Berge und lassen den Unimog die engen, steilen und kurvigen Passagen klettern. Das schafft er auch ganz ohne Probleme. Lediglich im nächsten Ort Valle de Abdalajis wird es kritisch, da sich enge Straßendurchfahrten mit rechtwinkligen Kurven, kurzen steilen Anstiegen und entsprechenden Abfahrten abwechseln und die Straße an einer abschüssigen Stelle für uns nicht passierbar zugeparkt war. Zur Kaffeepause finden wir einen sonnigen Platz in einem Olivenhain unweit der Straße. Zum Tanken fahren wir jedoch in den Ort Antequera und stellen uns dort außerhalb auf einen freien Platz mit Sicht auf die von der Abendsonne angestrahlte maurische Festungsanlage.
Sa 14.03.2020
Als Tagesziel haben wir uns den Stausee bei Viñuela ausgesucht. Zuvor wollen wir uns jedoch die fantastische Bergwelt des El Torcal ansehen. Also fahren wir auf der bestens ausgebauten Straße stetig bergan und zweigen oben angekommen zur Bergstation El Torcal Alto ab. Nach 3,7km weiterem engen Anstieg mit herrlichen Aussichten erreichen wir den Parkplatz. Hier sind wir nicht allein, obwohl auch hier das Restaurant für die nächsten Wochen geschlossen ist! Schon viele Autos und auch Wohnmobile parken hier, deren Insassen es uns gleichtun: eine Wanderung durch das erodierte Kalksteingebirge mit den zerklüfteten Felsbrocken, bizarren Türmen und Felsfiguren wie im Märchenwald. Zwischen den Felsen blühen die Weißdornhecken und heben sich gegen den tiefblauen Himmel ab. Wir überlegen kurz, ob wir heute hier oben in der herrlichen Bergwelt stehen bleiben wollen oder gemäß unserem Plan zum Stausee weiterfahren … wir machen uns dann an die kurvige Abfahrt und erreichen gegen 15:00h den Stausee mit einem schönen, sonnigen Platz wie geschaffen für uns.
So 15.03.2020
Das sonnige Wetter scheint Vergangenheit zu sein: es ist trüb, die Wolken hängen tief in den Bergen. Kein Wetter, um hier stehen zu bleiben. Fahren deshalb die 75km nach Motril am Mittelmeer und hoffen, dort noch einige schöne Tage zu verbringen. Unterwegs hören wir jedoch, dass die Spanische Regierung ab heute eine Ausgangssperre verhängt hat. Wir fahren deshalb einen Campingplatz unweit des breiten Sandstrandes an – und werden dort abgewiesen. Es dürfen keine neuen Gäste aufgenommen werden. Der nächste Campingplatz nebenan hat bereits die Eingangstore verrammelt.
Wir überlegen kurz und entscheiden uns zur sofortigen Heimfahrt. So ist Urlaub nicht sinnvoll, zumal ein Ende der Virusepidemie derzeitig nicht absehbar ist.
Über unsere Heimfahrt berichten wir im nächsten Abschnitt.